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Dienstag, 19. März 2013
Mehr als nur die Anfänge
Die anfängliche Euphorie schlug mit jedem erfolglosen Zyklus mehr und mehr in Frustration und Ratlosigkeit um. Im Juli 2012 entschied ich mich daher, zu einem Endokrinologen zu gehen und meine Schilddrüsen- und Hormonwerte überprüfen zu lassen. Lange saß ich im Wartezimmer, dann wurde ich ins Labor gerufen, wo man mir viiiiiiel Blut entnahm, wie ich mit großen Augen feststellte. Man wolle ja auch viiiiiiele Parameter testen, erklärte mir die freundliche Arzthelferin lächelnd. Einen Arzt habe ich an diesem Tag übrigens nicht gesehen, die Anordnung zur Blutabnahme erfolgte einzig aufgrund meiner Angaben im Anamnesebogen, die Ergebnisse kämen dann per Post, erklärte mir die nette Dame am Empfang. Irgendwie unbefriedigend...
Zwei Wochen später war ich – zumindest befundtechnisch – etwas schlauer. Man ahnt es schon: Auch meine Hormone verhalten sich vorbildlich, lediglich ein Vitamin-B12-Mangel gehört behandelt, ein Rezept für ein hochdosiertes Supplement samt Einnahmeempfehlung lag dem Brief vom Endokrinologen bei. Die gute Nachricht: Ich erfreue mich offenbar bester Gesundheit – yeah! Die schlechte: Einen Grund für die ungewollte Kinderlosigkeit wissen wir immer noch nicht.
Als mein Lieblingsmensch abends nach Hause kam, traf er mich ratlos an. Für ihn war sofort klar, dass nun er an der Reihe sein würde, sich untersuchen zu lassen („An dir kann's ja nicht liegen...“, meinte er achselzuckend), also vereinbarte er direkt am nächsten Tag einen Termin bei einem Urologen.
Dieser fand weitere 14 Tage später statt. Tapfer stellte er sich der Situation (Warum haben da eigentlich manche Männer so ein Problem mit!? Wir Frauen gehen doch auch regelmäßig, mind. einmal jährlich, zur Krebsvorsorge!?), wurde hier und dort abgetastet und beultraschallt und zu guter Letzt ebenfalls organisch für gesund befunden. Anschließend drückte der Arzt ihm noch ein Becherchen (samt „Betriebsanleitung“) in die Hand. Er möge bitte zu Hause eine Spermaprobe gewinnen, dabei eine Karenzzeit von ca. fünf Tagen einhalten, und diese körperwarm in die Praxis bringen.
Wir warteten den nächsten Eisprung noch ab, wollten aufgrund meiner stets in Massen vorhandenen, präovulatorischen Libido auch gaaaanz sicher keine Gelegenheit zur Zweisamkeit auslassen (mal davon abgesehen, dass wir in unserem Alter schließlich keine Eisprünge zu verschenken haben ;-)), ließen dann schweren Herzens ein paar Tage lang die Finger voneinander, und schließlich kutschierte mein mittlerweile doch recht verunsicherter Lieblingsmensch den Becher samt wertvollem Inhalt zurück in die Praxis. Das Ergebnis sollte er eine knappe Woche später telefonisch erfragen, was er gehörigem Nervenflattern auch tat. Und – tadaaaa: Alles tipptopp! Der Urologe sagte, er habe selten ein so gutes Spermiogramm gesehen, und an meinem Lieblingsmenschen könne es definitiv nicht liegen, dass noch kein Nachwuchs unterwegs sei. Große Erleichterung, besonders beim Lieblingsmenschen, der fast platzte vor Stolz ob der Bestätigung seiner Männlichkeit. Aber abends flossen dann doch noch Tränen. Ich war so voller Selbstzweifel... Also war doch ich diejenige welche? War doch bei mir irgendwas „kaputt“!? Ein weiteres Mal blieben wir ratlos zurück. Es war Mitte September...



Die Anfänge
Da ich meinem Lieblingsmenschen die Entscheidung überließ, wann genau wir die Verhütung weglassen würden (etwas wagen zu wollen und es dann tatsächlich zu tun, sind ja bekanntermaßen zwei Paar Schuhe), war ich anfangs ziemlich überrumpelt und konnte mein Glück kaum fassen, als wir das erste Mal, Anfang Januar 2012, nicht mehr verhüteten. Zeitgleich jedoch traf unsere Familie eine riesige Katastrophe, die eine klaffende Wunde riss und uns immer wieder grübeln ließ, ob wir weitermachen oder noch etwas warten sollten, bis sich die emotionalen Wogen etwas geglättet hätten. Nach vielen vielen Gespräch mit meinem Lieblingsmenschen und ungezählten Tränen hielten wir letztlich an unserer Entscheidung fest. Es ist unser Leben, das wir gestalten müssen, und ein Kind, das stand und steht fest, soll unbedingt dazugehören.
Wir waren – und sind es noch – verliebt wie am ersten Tag und ließen keinen Zyklus ungenutzt, der uns unserem Wunschkind näherbringen könnte. Unser Timing war stets perfekt, obwohl wir uns von vornherein versprochen hatten, dass wir nur Sex haben wollen, wenn auch beide wirklich Lust dazu haben, doch es tat sich – nichts. Langsam kamen erste Zweifel auf, woran das wohl liegen könnte. Jahrelang nutzte ich die sympto-thermale Methode zur Verhütung durch Eingrenzung der fruchtbaren Tage. Meine Zyklen, das weiß ich durch meine Aufzeichnungen, sind perfekt, wie aus dem Lehrbuch eigentlich: Erste Zyklushälfte 13-18 Tage lang, eindeutiger Temperaturanstieg um den Eisprung herum, zweite Zyklushälfte 14-17 Tage lang, weder Zwischenblutungen noch sonstige Auffälligkeiten, die auf ein hormonelles Ungleichgewicht hindeuten könnten. Auch ein Besuch bei der Frauenärztin Ende April 2012 ergab nur: „Sieht organisch alles prima aus. Da sehen wir uns ja in der nächsten Zeit öfter, nicht wahr?! Fröhliches Schwangerwerden dann!“ Und mit einem aufmunternden Klaps auf die Schulter und einem breiten Grinsen entließ sie mich. Dass hübsche Zyklen und prima Organe offenbar nicht ausreichen, um ein Baby zu zeugen, sollten die kommenden Monate zeigen...



Wir warten...
Seit über einem Jahr wünschen wir, mein Lieblingsmensch und ich, beide Mitte 30, uns ein gemeinsames Kind. Wenn man bedenkt, was in dieser Zeit alles passiert ist, wie schnell sie mit allen Höhen und Tiefen vorübergerast ist, ist das vielleicht gar nicht sooo lang, aber mit jedem Zyklus, der erfolglos an uns vorüberzog, wuchsen Frustration und Zweifel, ob sich unser Wunsch wohl jemals erfüllen würde. Aber ich fange mal ganz von vorn an.
Schon immer habe ich mir Kinder gewünscht. Eigentlich war das schon klar, als ich meine erste Puppe bekam. In der Puppenecke im Kindergarten und beim nachmittäglichen Spielen mit meinen Freundinnen ging ich in meiner Puppenmutterrolle auf. Bei der Abschiedsaufführung der Schulkinder mimte ich die Mama der Sonnenkäfer, in der Grundschule die im Weihnachtsstress an ihrem vergesslichen Ehemann und den streitsüchtigen Kindern verzweifelnde Mutter im Theaterstück „Ach du liebe Weihnachtszeit!“
Als ich zum Studium in die Stadt zog und meine erste längere Beziehung hatte, entwickelte sich so langsam ein ernstzunehmender Kinderwunsch. Ein paar wenige aber ernste und lange Beziehungen kamen und gingen, mein Ziel, spätestens mit 27, dann mit 30, dann mit 35 Mama zu werden, ließ sich nach und nach nicht mehr verwirklichen. Rückblickend ist das überhaupt nicht schlimm, denn zunächst wollten berufliche Ziele verwirklicht werden und mir fehlte schlichtweg der richtige Mann an meiner Seite, der meinen Traum teilt und eine Familie gründen möchte. Als mein Lieblingsmensch und ich uns kennenlernten und Hals über Kopf ineinander verliebten, wollte auch dieser zunächst keine Kinder, und hätte er nicht diesbezüglich recht bald eine 180°-Wendung gemacht, wären wir, bei aller Liebe, wohl heute nicht zusammen. Aber wir waren so glücklich und uns beide so sicher, dass wir eine Familie gründen wollen, dass wir schon bald die Verhütung wegließen. Der lange Weg zum Wunschkind begann...