Brief ans Seelenbaby
29.09.2012
Mein geliebtes Kind,
letzte Nacht habe ich zum ersten Mal von dir geträumt. Und ich meine nicht von einem positiven Schwangerschaftstest – das gab’s schon öfter –, sondern ganz echt, ganz real von dir. Ich habe dich ganz genau vor mir gesehen, wie du dort lagst, auf einem apfelgrünen Laken in einem blau geringelten Body mit langen Ärmeln. Du hast ganz friedlich geschlafen, ein seliges Lächeln umspielte deine Lippen. Deine winzigen Händchen waren zu kleinen Fäusten geballt und lagen links und rechts neben deinem Kopf. Dein Mund und die süßen Grübchen ähnelten denen deines Papas, die ich so sehr mag, und du hattest, wie wir beide als Kinder, strohblondes Haar. Es war ein wunderschöner Traum, mir war ganz warm ums Herz, als ich aufwachte. Gleichzeitig musste ich weinen, weil es nur ein Traum war und ich dich nun noch mehr herbeisehne.
Noch ganz gefangen und berührt habe ich heute etwas Verrücktes getan. Ich habe im Internet nach dem Body aus dem Traum gesucht – und ihn tatsächlich gefunden. In ein paar Tagen wird er hier sein und auf dich warten. Dein erstes Kleidungsstück. Ich freue mich schon jetzt darauf, ihn dir anzuziehen und dir beim Schlafen zuzusehen.
Schon oft habe ich mich gefragt, wie es wohl sein wird, wenn du da bist. Wie DU sein wirst. Wirst du so sportlich sein wie dein Papa oder so musikalisch wie ich? Willst du vorsichtig deine Welt erkunden oder lieber mit dem Kopf durch die Wand? Wirst du die Nacht zum Tag machen, uns an unsere Grenzen bringen, uns als Eltern herausfordern? Wirst du nicht nur unsere Welt sondern auch uns als Paar verändern?
Ich bin sehr neugierig und kann es kaum erwarten, dich endlich kennenzulernen, dich in meinem Bauch zu spüren, in meinem Arm zu halten und dich jeden Tag zu sehen. Zuzuschauen, wie du schläfst, Tag für Tag mehr dazu lernst, deine Umgebung mehr und mehr wahrnimmst, uns erkennst. Zuzuhören, wie du dich bemerkbar machst, wenn du Hunger, Langeweile, Schmerzen oder Kummer hast oder einfach unsere Aufmerksamkeit willst. Wie du vielleicht auch viel schreist und weinst, hoffentlich aber auch viel lachst, satt und zufrieden gluckst und gurgelst, wie du nach und nach deine eigene Sprache suchst und findest und später immer besser und deutlicher sprichst. Wie dein Papa dir das Radeln beibringt und ich dir das Klavierspielen. Wie du es immer wieder schaffen wirst, uns um den Finger zu wickeln, egal, was du auch anstellst.
Wir freuen uns auf dich. Du bist unser Seelenbaby und wir hoffen, dass du bald zu uns kommst. Wir lieben dich schon jetzt – bis zum Mond und zurück.
Deine Mama und dein Papa
kraantje am 20. März 13
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