Wir warten...
Seit über einem Jahr wünschen wir, mein Lieblingsmensch und ich, beide Mitte 30, uns ein gemeinsames Kind. Wenn man bedenkt, was in dieser Zeit alles passiert ist, wie schnell sie mit allen Höhen und Tiefen vorübergerast ist, ist das vielleicht gar nicht sooo lang, aber mit jedem Zyklus, der erfolglos an uns vorüberzog, wuchsen Frustration und Zweifel, ob sich unser Wunsch wohl jemals erfüllen würde. Aber ich fange mal ganz von vorn an.
Schon immer habe ich mir Kinder gewünscht. Eigentlich war das schon klar, als ich meine erste Puppe bekam. In der Puppenecke im Kindergarten und beim nachmittäglichen Spielen mit meinen Freundinnen ging ich in meiner Puppenmutterrolle auf. Bei der Abschiedsaufführung der Schulkinder mimte ich die Mama der Sonnenkäfer, in der Grundschule die im Weihnachtsstress an ihrem vergesslichen Ehemann und den streitsüchtigen Kindern verzweifelnde Mutter im Theaterstück „Ach du liebe Weihnachtszeit!“
Als ich zum Studium in die Stadt zog und meine erste längere Beziehung hatte, entwickelte sich so langsam ein ernstzunehmender Kinderwunsch. Ein paar wenige aber ernste und lange Beziehungen kamen und gingen, mein Ziel, spätestens mit 27, dann mit 30, dann mit 35 Mama zu werden, ließ sich nach und nach nicht mehr verwirklichen. Rückblickend ist das überhaupt nicht schlimm, denn zunächst wollten berufliche Ziele verwirklicht werden und mir fehlte schlichtweg der richtige Mann an meiner Seite, der meinen Traum teilt und eine Familie gründen möchte. Als mein Lieblingsmensch und ich uns kennenlernten und Hals über Kopf ineinander verliebten, wollte auch dieser zunächst keine Kinder, und hätte er nicht diesbezüglich recht bald eine 180°-Wendung gemacht, wären wir, bei aller Liebe, wohl heute nicht zusammen. Aber wir waren so glücklich und uns beide so sicher, dass wir eine Familie gründen wollen, dass wir schon bald die Verhütung wegließen. Der lange Weg zum Wunschkind begann...