Mehr als nur die Anfänge
Die anfängliche Euphorie schlug mit jedem erfolglosen Zyklus mehr und mehr in Frustration und Ratlosigkeit um. Im Juli 2012 entschied ich mich daher, zu einem Endokrinologen zu gehen und meine Schilddrüsen- und Hormonwerte überprüfen zu lassen. Lange saß ich im Wartezimmer, dann wurde ich ins Labor gerufen, wo man mir viiiiiiel Blut entnahm, wie ich mit großen Augen feststellte. Man wolle ja auch viiiiiiele Parameter testen, erklärte mir die freundliche Arzthelferin lächelnd. Einen Arzt habe ich an diesem Tag übrigens nicht gesehen, die Anordnung zur Blutabnahme erfolgte einzig aufgrund meiner Angaben im Anamnesebogen, die Ergebnisse kämen dann per Post, erklärte mir die nette Dame am Empfang. Irgendwie unbefriedigend...
Zwei Wochen später war ich – zumindest befundtechnisch – etwas schlauer. Man ahnt es schon: Auch meine Hormone verhalten sich vorbildlich, lediglich ein Vitamin-B12-Mangel gehört behandelt, ein Rezept für ein hochdosiertes Supplement samt Einnahmeempfehlung lag dem Brief vom Endokrinologen bei. Die gute Nachricht: Ich erfreue mich offenbar bester Gesundheit – yeah! Die schlechte: Einen Grund für die ungewollte Kinderlosigkeit wissen wir immer noch nicht.
Als mein Lieblingsmensch abends nach Hause kam, traf er mich ratlos an. Für ihn war sofort klar, dass nun er an der Reihe sein würde, sich untersuchen zu lassen („An dir kann's ja nicht liegen...“, meinte er achselzuckend), also vereinbarte er direkt am nächsten Tag einen Termin bei einem Urologen.
Dieser fand weitere 14 Tage später statt. Tapfer stellte er sich der Situation (Warum haben da eigentlich manche Männer so ein Problem mit!? Wir Frauen gehen doch auch regelmäßig, mind. einmal jährlich, zur Krebsvorsorge!?), wurde hier und dort abgetastet und beultraschallt und zu guter Letzt ebenfalls organisch für gesund befunden. Anschließend drückte der Arzt ihm noch ein Becherchen (samt „Betriebsanleitung“) in die Hand. Er möge bitte zu Hause eine Spermaprobe gewinnen, dabei eine Karenzzeit von ca. fünf Tagen einhalten, und diese körperwarm in die Praxis bringen.
Wir warteten den nächsten Eisprung noch ab, wollten aufgrund meiner stets in Massen vorhandenen, präovulatorischen Libido auch gaaaanz sicher keine Gelegenheit zur Zweisamkeit auslassen (mal davon abgesehen, dass wir in unserem Alter schließlich keine Eisprünge zu verschenken haben ;-)), ließen dann schweren Herzens ein paar Tage lang die Finger voneinander, und schließlich kutschierte mein mittlerweile doch recht verunsicherter Lieblingsmensch den Becher samt wertvollem Inhalt zurück in die Praxis. Das Ergebnis sollte er eine knappe Woche später telefonisch erfragen, was er gehörigem Nervenflattern auch tat. Und – tadaaaa: Alles tipptopp! Der Urologe sagte, er habe selten ein so gutes Spermiogramm gesehen, und an meinem Lieblingsmenschen könne es definitiv nicht liegen, dass noch kein Nachwuchs unterwegs sei. Große Erleichterung, besonders beim Lieblingsmenschen, der fast platzte vor Stolz ob der Bestätigung seiner Männlichkeit. Aber abends flossen dann doch noch Tränen. Ich war so voller Selbstzweifel... Also war doch ich diejenige welche? War doch bei mir irgendwas „kaputt“!? Ein weiteres Mal blieben wir ratlos zurück. Es war Mitte September...