Letzte Hoffnung Kinderwunschfachanbieter?!
Von der OP erholte ich mich schnell, und die erste Periode nach der OP verlief annähernd schmerzfrei! Das war die gute Seite der Medaille. Das „Kind“ hatte endlich einen Namen, ich war nicht hypochondrisch oder wehleidig, nein: Man hatte wirklich etwas gefunden, was meine heftigen Schmerzen und die damit verbundene, nahezu inflationäre Einnahme von Ibuprofen erklärte. Und dann waren plötzlich die Schmerzen weg! Ich hätte heulen können vor Glück, soviel hat es mir bedeutet! Das hatte es noch nie zuvor gegeben! An dieser Stelle ein herzliches Dankeschön an das Team der Chirurgie!
Doch die Gedanken an meine Krankheit, unseren zukünftigen Weg zum Kind, die anstehenden Entscheidungen sorgten für Rast- und Ratlosigkeit, durchwachte Grübelnächte, Panik, Herzrasen... Kurz: Mir ging es psychisch gar nicht gut! Mit der Diagnose fühlte ich mich ziemlich allein gelassen, wurde mir so „vor den Latz geknallt“, und nun musste ich sehen, was ich daraus mache... Ich brauchte dringend mehr Informationen! Ein paar liebe Mitbetroffene machten mir Mut, regten an, mehr Fachmeinungen einzuholen und mich auch mit ganzheitlichen Behandlungsmethoden zu befassen, die bei Endometriose nachweislich bessere Erfolge erzielen.
Voller Tatendrang und der festen Überzeugung, dass vorerst keine Indikation für eine Hormontherapie mit anschließender Komplettsanierung vorliegt und dass ich zumindest zunächst einmal allumfassend beraten werden möchte, bevor ich mich wieder unters Messer lege, stand ich eine Woche später bei meiner Frauenärztin zum Nachsorgetermin und „Kriegsrat“ auf der Matte. Sichtlich schockiert las sie den OP-Bericht und das, was an Befunden schon vorlag, und sagte dann: „Na, dann verschreib ich Ihnen mal das Medikament. Kostet 180 € für drei Monate.“ Nun war es an mir, angemessen erstaunt aus der Wäsche zu gucken: Wenn doch ernsthaft eine Indikation vorläge, müsste dann nicht die Krankenkasse das Medikament zahlen (darauf habe ich übrigens bis heute keine Antwort...)!? Davon abgesehen: Ich wollte das doch gar nicht!!! Könnte ich dann nicht ebenso gut dieses Geld für Behandlungen hernehmen, die eh nicht von der Kasse übernommen werden, aber paradoxerweise wesentlich wirksamer wären und schonender mit meinem Körper umgehen würden!?
Also erzählte ich ihr vom Abschlussgespräch mit dem Chirurgen und seinem Rat, es erst noch einmal zu versuchen, schwanger zu werden. Ich berichtete von meinen Recherche-Ergebnissen zu alternativen, ganzheitlichen Therapien, den Risiken einer neuerlichen Operation (neue Verwachsungen, Verschleppung von Endometrioseherden) und meiner Angst, dass dabei irgendwas schief geht, meinen Befürchtungen, dass nach der Hormontherapie mein Zyklus nicht mehr oder nur sehr schleppend wieder in die Gänge käme und ich dadurch zu viel Zeit verlöre etc. pp. Sie hörte sich alles sehr geduldig an und gab dann unumwunden zu, dass sie mit dieser Krankheit, besonders in Bezug auf Kinderwunsch, einfach zu wenig Erfahrung habe und daher überhaupt nicht wisse, was sie mir raten solle. Meine Einwände klangen in ihren Ohren allesamt logisch, sie würde an meiner Stelle wohl die Ergebnisse der histologischen Untersuchung, im Besonderen den Proliferationsindex, der Auskunft über die Aktivität der Endometriose gebe, abwarten wollen und dann entscheiden, und so lange man nichts genaues wisse, sollen wir natürlich (!!!) nicht verhüten (ach was?!). Grundsätzlich habe sie aber das Gefühl, dass sie mit ihrem Latein am Ende sei, man müsse jetzt offenbar schnell zusehen, mich irgendwie schwanger zu bekommen, da könne nur jemand helfen, der mehr Ahnung davon habe, man müsse sich aufgrund der positiven Texts auch mal die Gerinnung und die Genetik anschauen, und – puuuuh! – empfahl mir den Kinderwunschfachanbieter ihres Vertrauens.
Schluck! – Nun also doch... Wer hätte das gedacht?! Ich mit meinen 1a-Spitzenklasse-Zyklen, allen Hormon- und Blutwerten in der Mitte des Referenzbereichs, einer tipptopp funktionierenden Schilddrüse und meinem uneingeschränkt zeugungsfähigen Lieblingsmenschen marschierte tatsächlich mit einer Überweisung für reproduktionsmedizinische Dienstleister nach Hause... Autschn ☹ ...
Mal wieder schwirrte mir der Kopf. Ein Gedankensalat aus Angst, Skepsis, Vorurteilen... Hier mal – tadaaa! – mein persönliches Horror-Klassement *trommelwirbel*:
Platz 5: Die halten doch eh nix von alternativen Behandlungsmethoden.
Platz 4: Die denken doch eh, der Chirurg hat recht: „Hormone! OP! Vorher brauchense gar nicht erst wiederzukommen! Keine Widerrede!“
Platz 3: Die wollen doch eh nur unser Geld: Möglichst teuer behandeln, und eh wir uns versehen, wird – zack! – künstlich befruchtet.
Platz 2: Die nehmen uns doch eh nicht ernst.
Platz 1: Die lachen uns doch eh aus, weil wir nicht verheiratet sind.
*tusch*
Es bedurfte einer ganzen Zeit und – trotz des nicht mehr vorhandenen Myoms – leider eines weiteren Sternchens, bis ich tatsächlich zum Telefon griff und einen Termin vereinbarte...
kraantje am 27. Juni 13
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