Status: Goldkundin
Mal wieder Zeit für ein Update. Es ist viel passiert.

Nach unendlich erscheinenden vier Wochen hatten wir endlich die Gewissheit, dass der Genschrott sich dankenswerterweise in Grenzen hält: Die zweite Blutuntersuchung bei meinem Lieblingsmenschen ergab, dass es sich wirklich „nur“ um die bereits diagnostizierte parazentrische Inversion handelt und dass kein anderer, versteckter Chromosomendefekt dahinter steckt. Aufatmen! Natürlich soll im Falle einer Schwangerschaft genauer hingeschaut werden – eine Amniozentese wäre da wohl das diagnostische Mittel der Wahl, wenn wir uns denn dafür entscheiden würden –, aber die Wahrscheinlichkeit, dass sich dieser Defekt in Infertilität und einer erhöhten Fehlgeburtenrate niederschlägt, ist verschwindend gering. Soweit, so (un)gut.

Als wir das Ergebnis der zweiten Blutuntersuchung erhielten, befand ich mich in unserem ersten Behandlungszyklus in der Kinderwunschklinik, diesmal nicht Dr. Kiwufa, der zu der Zeit im wohlverdienten Urlaub weilte, sondern bei Frau Dr. Vertretung.

Von ZT 4-9 nahm ich je 50 mg Clomifen, ein Mittel zur ovariellen Stimulation, das ich problemlos vertrug. An ZT 11 machte Frau Dr. Vertretung eine Ultraschallkontrolle, jauchzte auf, als sie einen wunderschönen großen Follikel an meinem rechten Eierstock entdeckte, instruierte mich über das weitere Vorgehen, drückte mir ein Rezept für Brevactid (hCG, das aus dem Urin schwangerer Frauen gewonnen wird – eine gruselige Vorstellung...), Duphaston, Fragmin-Spritzen und ASS in die Hand und bat mich, noch mal wiederzukommen, wenn ich das alles aus der Apotheke geholt habe. Dort erhielt ich nun endgültig den Goldkundinnen-Status – was mit zwei Reisezahnbürsten und einem Stoffbeutel mit Apothekenlogo belohnt wurde – und mutierte zusätzlich vermutlich automatisch zur Belastung für meine Krankenkasse...

Derart vollbepackt ging’s zurück in die Kinderwunschklinik, wo mir eine nette Pflegehelferin 10.000 i.E. Brevactid zur Auslösung des Eisprungs ins Bauchfell jagte (autsch!) und mir erklärte, wie die Einwegspritzen Fragmin, die ich mir fortan selbst geben sollte, funktionieren.

Für die nächsten zwei Tagen ließ der Behandlungsplan verlauten: GVnP=Geschlechtsverkehr nach Plan – was dem Spaß an der Sache aber zum Glück keinen Abbruch tat ;-) Ab dem 14. Zyklustag wurd’s dann mächtig bunt im Medikamenteblumenstrauß: Morgens und abends je eine 1 Duphaston, tägl. 50 mg ASS sowie 2500 i.E. Fragmin subkutan, und das alles zusätzlich zum hochdosierten Vitamincocktail, bestehend aus Folsäure, Vitamin B6 und Vitamin B12, den ich aufgrund einer bei den Blutabnahmen in der Kinderwunschklinik nebenbei diagnostizierten (und wegen der Genschrott-Diagnose bei meinem Lieblingsmenschen etwas in den Hintergrund getretenen und beinahe vergessenen) MTHFR-Mutation, einer Gerinnungsstörung, täglich zu mir nehmen muss.

Das Spritzen in den Bauch klappte – entgegen meiner Befürchtungen – angstfrei und ganz ohne Schmerzen und Probleme. Was war ich stolz! Manchmal blieb ein kleiner Bluterguss zurück, an anderen Tagen konnte man die Einstichstelle kurz nach dem Spritzen schon nicht mehr sehen.

In den ersten Tagen der 2. Zyklushälfte konnte ich noch ein paar wenige und kaum störende Nebenwirkungen entdecken. Ich fühlte mich etwas aufgebläht, mein Geschmackssinn war – sagen wir mal – irritiert, ich war ständig müde, irgendwo zwickte und zwackte es immer, und ich hatte wirre, teils belustigende, teils besorgniserregende bis beängstigende Träume, meine Brustwarzen waren total empfindlich, aber die meisten meiner üblichen prämenstruellen Symptome blieben aus und mir ging es erstaunlich gut. Je weiter der hCG-Spiegel in meinem Blut sank (und das tat er sehr schnell, wie ein negativer Schwangerschaftstest 11 Tage nach der Auslösespritze zeigte), umso „normaler“ ging es mir, und ich durchlebte die wohl angenehmste, entspannteste 2. Zyklushälfte seit Beginn meiner NFP-Aufzeichnungen.

Doch leider stieg das hCG nicht wieder an... Nach dem Bluttest an ZT 29 bestätigte mir Frau Dr. Vertretung telefonisch, was mir aufgrund der Frühtests, die ich zu Hause gemacht hatte, bereits klar war: Negativ. Nicht schwanger. Oder in Zahlen: hCG=0,139.